Auf halber Treppe kurz stehen bleiben. Den Spaziergang lieber abkürzen oder gar nicht erst raus gehen. Viele Menschen mit COPD haben sich an solche Momente gewöhnt - oft über Jahre. Doch was Betroffene als Teil ihres Alltags akzeptiert haben, kann ein Hinweis darauf sein, dass die Erkrankung nicht so gut im Griff ist, wie sie sein könnte.
In Deutschland sind 6,02 Prozent der Frauen und 7,41 Prozent der Männer von einer COPD betroffen. Viele von ihnen leben seit Jahren mit Husten und Atemnot – und haben sich daran gewöhnt. Zwei von ihnen sind Jürgen und Ursula, die mit der chronischen Erkrankung leben.
Früh erkennen & genauer hinschauen
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, entwickelt sich meist schleichend. Husten, Auswurf und Kurzatmigkeit werden oft abgetan. COPD kann viele verschiedene Ursachen haben, neben Rauchen sind auch Umwelteinflüsse und Schadstoffe Risikofaktoren. Jürgen war in seinem Beruf über viele Jahre Schadstoffen ausgesetzt: Diese berufliche Exposition könnte zur Entstehung seiner COPD beigetragen haben. Sein Weg zur Diagnose war lang: Zunächst wurde von Asthma ausgegangen, bevor schließlich die Diagnose COPD gestellt wurde.
Doch in der Diagnose gilt: Je früher COPD erkannt wird, desto besser kann die Erkrankung gezielt und individuell gemanagt werden. Bei wochenlangem Husten, auch mit Schleimproduktion, oder bei Atemlosigkeit während Belastung gilt daher: eine ärztliche Abklärung kann Klarheit bringen.
Auch Patienten, die bereits behandelt werden, sollten aufmerksam bleiben, denn manchmal ist COPD trotz Therapie nicht ausreichend kontrolliert. Anhaltende Atemnot oder Husten sowie wiederholte Exazerbationen können darauf hinweisen und sollten im Arztgespräch offen angesprochen werden. Exazerbationen sind plötzliche, deutliche Verschlechterungen der Beschwerden, die etwa nach Infektionen auftreten und häufig eine zusätzliche Behandlung erfordern. „Man kann die Krankheit nicht ignorieren“. Besonders schwer fällt es Jürgen, die Grenzen zu akzeptieren, die ihm sein Körper setzt:
Das Problem ist: Man kann die Krankheit nicht ignorieren. Obwohl man es gerne würde und es gibt halt den Punkt, an dem man einfach versucht, weiterzuleben. Und dann sagt der Körper: ‚Nein, es ist jetzt Schluss. Du musst jetzt mal einen Gang zurückschalten.‘ Und das muss man erst einmal der Psyche erklären. Das ist sehr schwer.“
COPD ist nicht bei jedem gleich
COPD ist eine Erkrankung mit vielen Gesichtern: Die Erfahrungen mit COPD können sich stark unterscheiden. Die eine Person kommt mit ihrer Therapie gut durch den Alltag. Die andere erlebt trotz Behandlung immer wieder Phasen, in denen sich Beschwerden verschlechtern. Das liegt auch daran, dass hinter COPD nicht immer dieselben Prozesse im Körper stecken.
Was ist eine Typ-2-Entzündung?
Neben klassischen Risikofaktoren wie Rauchen und Umweltbelastung läuft bei 20 bis 40 Prozent der COPD-Patienten eine besondere Art der Entzündung in der Lunge ab – eine Typ-2-Entzündung. Dabei reagiert das Immunsystem stärker als nötig. Diese Überreaktion kann die Schleimhaut der Atemwege schädigen. Mögliche Folgen sind eine erhöhte Schleimproduktion, verengte Atemwege und langfristige Schäden. Daran beteiligt sind spezielle weiße Blutkörperchen, die sogenannten Eosinophilen (EOS), und weitere Immunzellen. Die Anzahl der Eosinophilen lässt sich mit einer Blutuntersuchung bestimmen.
Viele Puzzleteile ergeben das individuelle Krankheitsbild
Die Zahl der Eosinophilen im Blut ist nur ein Puzzleteil. Erst zusammen mit Lungenfunktion, Beschwerden, bisherigen Verschlechterungen und möglichen Begleiterkrankungen ergibt sich ein Bild der individuellen Erkrankung. Dieses Gesamtbild unterstützt die Ärztin oder den Arzt dabei, gemeinsam mit dem Patienten die Behandlung individuell festzulegen. Ziele können sein, Beschwerden und das Risiko weiterer Exazerbationen zu verringern sowie die Lungenfunktion möglichst zu erhalten.
Welche Rolle das Immunsystem und die Typ-2-Entzündung spielen, können Interessierte und Betroffene auf www.immunkompass.de erfahren. Dort sind auch praktische Tipps zur Vorbereitung auf das nächste Arztgespräch zu finden.
Vorbeugen statt nur reagieren
Da im Praxisalltag oft wenig Zeit bleibt, ist es für Betroffene wichtig, gut vorbereitet in die Termine zu gehen und sich im Alltag Notizen über Beschwerden und konkrete Beispiele zu machen. Was hat sich seit dem letzten Besuch verändert? Ist die Atemnot plötzlich stärker geworden? War eine Behandlung im Krankenhaus nötig? Solche Informationen sind für die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt wichtig. Denn jede akute Verschlechterung der COPD kann die Lungenfunktion langfristig beeinträchtigen.
Gutes COPD-Management bedeutet deshalb, Veränderungen und Risiken frühzeitig wahrzunehmen – und nicht erst zu handeln, wenn es akut wird.
COPD bleibt eine chronische Erkrankung. Doch wer früh erkennt, genauer hinschaut und vorausschauend handelt, kann aktiv dazu beitragen, besser mit ihr zu leben.
Jürgen hat für sich einen Weg gefunden, mit der Erkrankung umzugehen: „Jeder Tag ist ein guter Tag. Es kommt auf die Betrachtungsweise an.“ Und auch seine Frau Ursula, die ebenfalls mit COPD lebt, möchte anderen Mut machen:
„Mein Appell an andere Betroffene ist, dass sie das Leben nicht aufgeben, dass das Leben auch lebenswert ist und dass man aus allem das Beste machen kann.“
Weitere Informationen zu Ursachen, Symptomen und Behandlung der COPD bietet der GSK mittendrin-Beitrag „Jeder Atemzug zählt“



