Impfung gegen RSV: (K)ein Kinderspiel

Für ältere Menschen kann das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) zur ernst zu nehmenden Gefahr werden.

Obwohl RSV eine der häufigsten Ursachen für Atemwegsinfektionen weltweit darstellt, wurde ihm lange Zeit nur wenig Beachtung geschenkt. Ein möglicher Grund dafür: Die Therapie von RSV ist beschränkt auf die Linderung der Symptome, außerdem gab es bisher für ältere Erwachsene (Symbolbild links) keine Möglichkeiten zur Prävention. Dies hat sich 2023 geändert, weswegen es sich lohnt, einen genaueren Blick auf die unterschätzte Infektion zu werfen.

RSV tritt in Deutschland, ähnlich wie die Virusgrippe (Influenza) und COVID-19 (SARS-CoV-2), vermehrt in den Wintermonaten auf und stellt damit zwischen November und April eine Hauptursache von Atemwegsinfekten dar. Die Übertragung erfolgt in erster Linie von Mensch zu Mensch, indem Tröpfchen oder Aerosole aus Mund und Nase einer infizierten Person auf weitere Personen in der Nähe übertragen werden (z. B. durch Niesen). Eine indirekte Übertragung durch kontaminierte Oberflächen, Gegenstände oder beim Händeschütteln scheint ebenso möglich zu sein. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2016 haben Forscher ermittelt, dass eine mit dem RS-Virus infizierte Person durchschnittlich drei weitere Personen ansteckt.

Das Risiko schwerer Verläufe

RSV wirkt sich, wie auch die Virusgrippe und COVID-19, auf die Atemwege aus und kann symptomfreie, milde, aber auch schwere Verläufe annehmen. Übliche Symptome eines milden Verlaufs sind vergleichbar mit denen eines grippalen Infekts (landläufig als „Erkältung“ bezeichnet): Sie können Husten, Schnupfen, Halsschmerzen aufgrund einer Entzündung des Rachens und einen verschlechterten Allgemeinzustand beinhalten. Bei schweren Verläufen kommt es allerdings neben diesen Symptomen auch zu einer Infektion der unteren Atemwege, als Folge derer sich etwa eine Lungenentzündung entwickeln kann. Außerdem können sich bestehende Grunderkrankungen des Herzens, der Lunge (z.B. Asthma oder COPD), der Niere oder ein Diabetes durch diese Infektion verschlimmern. Nicht selten wird dann eine stationäre Behandlung im Krankenhaus, manchmal mit zusätzlicher Sauerstoffgabe, erforderlich. Schlimmstenfalls kann ein schwerer Verlauf zum Tod führen. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 bezifferte die durch RSV-Infektionen bedingten Krankenhauseinweisungen von Erwachsenen in Deutschland im Alter von 60+ Jahren auf etwa 34.000 sowie auf 2.500 Todesfälle im Krankenhaus.

Einer aktuellen Längsschnittstudie nach kann RSV außerdem langfristig erhebliche Auswirkungen auf die mentale sowie körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität haben, die sich in Einschränkungen von Alltagsaktivitäten oder sogar einer erhöhten Pflegebedürftigkeit äußern können.

Verkannte Gefahr für ältere Erwachsene

Laut dem Robert-Koch-Institut stellt RSV „einen der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen“ dar und die Infektionswelle zum Jahresende 2022 brachte Kinderkliniken in ganz Deutschland an oder über ihre Belastungsgrenze (dt. Ärzteblatt, Ausgabe 07.08.2023, S. 52).

Weniger bekannt ist, dass RSV aber auch für ältere Erwachsene ein großes Risiko darstellt. Besonders gefährdet für einen schweren Verlauf sind hierbei Menschen mit einer chronischen Grunderkrankung sowie Menschen mit nicht chronischen Erkrankungen, deren Verlauf oder Behandlung zu einer geschwächten Immunabwehr führt. Daneben führt auch eine altersbedingt geschwächte Immunabwehr zu einem erhöhten Risiko für einen schweren RSV-Verlauf. Aktuelle Zahlen untermauern die Gefahr für Menschen 60+: Allein zwischen Anfang November 2022 und Ende Juni 2023 benötigten etwa 2.400 Personen dieser Altersgruppe eine intensivmedizinische Betreuung im Krankenhaus aufgrund einer RSV-Infektion.

Inzwischen bestehen aber gute Möglichkeiten zur Prävention: Seit 2023 stehen Impfstoffe gegen RSV zur Verfügung, die es ermöglichen, den Kampf gegen schwer verlaufende Infektionen mit RSV aufzunehmen und unter anderem Menschen ab 60 Jahren bestmöglich vor den Folgen einer RSV-Infektion zu schützen.