Gefahr Meningokokken: „Wir mussten sofort in die Klinik fliegen.“

Meningokokken können lebensbedrohlich sein, besonders für Kinder. Im Interview erzählt eine Mutter von ihrer Erfahrung und der Bedeutung von Impfungen gegen Meningokokken.

Betroffene Karen

Die kleine Leandra erkrankte im Alter von fünfzehn Monaten an Meningokokken. Eine Meningokokken-Erkrankung ist zwar selten, kann aber lebensbedrohlich werden. Nur durch das schnelle Handeln der Ärzt*innen überlebte die heute Neunjährige. Ihre Mutter Karen erinnert sich im Interview an die schwere Zeit zurück, die sie auch viele Jahre später noch sehr emotional werden lässt.

 

Karen, welche Anzeichen hast du bei deiner Tochter bemerkt, als sie erkrankte?

Leandra hatte in der Nacht zuvor leichtes Fieber. Da habe ich mir allerdings noch nichts bei gedacht. Als das Fieber dann trotz des Fiebersaftes nicht sank und sie sich am nächsten Morgen zudem noch erbrach, bin ich zu losgefahren, um Medikamente zu holen. Meine Tochter war in der Zwischenzeit mit ihrem Papa zu Hause. Ich war gerade auf dem Rückweg, als ich einen Anruf bekam: Leandra hatte daheim einen Fieberkrampf bekommen und ist bewusstlos geworden. 

Er ist sofort mit ihr in die nächstgelegene Praxis gefahren. Als ich auf dem Parkplatz ankam, standen da bereits drei Krankenwagen und ein Helikopter auf dem Feld nebenan. Ich erinnere mich noch, wie der Arzt mir meine Tochter in den Arm legte und sagte, wir müssten sofort in die Klinik fliegen. Es ging alles so wahnsinnig schnell und ich war in diesem Moment einfach nur überfordert.

 

Wie ging es im Krankenhaus weiter?

Der Notarzt vermutete schon auf dem Weg ins Krankenhaus, auch aufgrund der Einblutungen an Leandras Armen und Beinen, dass es sich um Meningokokken handeln könnte. Im Krankenhaus angekommen wurden wir direkt in den Schockraum gebracht, wo diese Vermutung auch bestätigt wurde. Sie bekam Antibiotika und wurde anschließend auf die Intensivstation verlegt. Durch das ganze Cortison und die Schmerzmittel war ihr Gesicht ganz aufgedunsen. Als Mama ist es kaum zu ertragen, das eigene Kind so zu sehen. Ich weiß noch, dass das Gesundheitsamt uns ständig anrief und wir ihnen viele verschiedene Fragen beantworten mussten. Da wurde mir erst so richtig bewusst, dass es sich um eine schlimme Erkrankung handelt.

 

Wie lange musste Leandra im Krankenhaus bleiben?

Zwei Tage musste Leandra auf der Intensivstation bleiben, anschließend wurde sie für weitere sieben Tage auf die normale Station verlegt. Wir hatten großes Glück, dass die Antibiotika so schnell anschlugen und es ihr zunehmend besser ging. Sie musste zwar die Weihnachtszeit im Krankenhaus verbringen, aber wir haben damals das Beste aus der Situation gemacht und versucht, es ihr so schön wie möglich zu gestalten.

 

Wusstest du damals, dass es unterschiedliche Impfungen gegen Meningokokken gibt?

Nein, damals wusste ich nicht, dass es unterschiedliche Meningokokken-Gruppen und daher verschiedene Impfungen gegen Meningokokken gibt. Das alles habe ich erst durch Leandras Erkrankung erfahren. Sie war nach dem STIKO-Plan geimpft, in dem zum damaligen Zeitpunkt nur die C-Impfung empfohlen wurde. Seit Januar 2024 gehört endlich auch die Meningokokken-B-Impfung zu den von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen, wodurch ein wesentlich höherer Schutz gewährleistet werden kann.

 

Wie erging es Leandra nach der überstandenen Meningokokken-Erkrankung?

Leandra hat sich Gott sei Dank wirklich schnell wieder erholt und heute geht es ihr sehr gut. Sie hat keine bleibenden Folgen davongetragen und ist ein aufgewecktes, junges Mädchen. Ich denke, unser Glück war, dass die Ärzt*innen so schnell und gut reagiert haben und auch frühzeitig erkannt haben, dass Leandra an Meningokokken erkrankt ist. Entsprechend schnell konnte sie auch richtig behandelt werden.

 

Welche Auswirkungen hatte die Erkrankung auf euch als Familie?

Man merkt, wie viel dankbarer man für alles ist und dass man sich nicht mehr so leicht über Kleinigkeiten aufregt. Gesundheit ist das Wichtigste. Außerdem erkennt man, wie wertvoll eine gute medizinische Versorgung ist. Während Leandras Erkrankung war ich gerade mit meinem Sohn schwanger und nachdem wir gerade all das mit Leandra überstanden haben, war für mich gleich klar, dass ich mein Kind auf jeden Fall gegen Meningokokken B impfen lassen werde, auch wenn ich die Kosten damals noch selbst tragen musste. Aber für mich war klar: Nie wieder möchte ich so etwas noch mal durchstehen müssen.

 

Gibt es etwas, das du anderen Eltern gerne mitgeben möchtest?

Wenn ich mit anderen Eltern über die Erkrankung meiner Tochter spreche, sind die meisten geschockt, dass wir so eine schlimme Erfahrung gemacht haben. Achtzig bis Neunzig Prozent der Leute, mit denen ich spreche, wissen nicht einmal, was Meningokokken sind. Ich würde mir wünschen, dass das Thema Meningokokken-Erkrankungen noch bekannter wird und mehr Aufklärung betrieben wird. Ich bin auch nach so vielen Jahren noch immer unglaublich emotional, wenn es um das Thema geht. Das wird wahrscheinlich auch immer so bleiben, weil es einfach eine tiefgreifende Erfahrung war. Ich wünsche es keinem Menschen, das zu erleben, was wir durchmachen mussten. Daher ist es so wichtig, dass Eltern sich besser informieren und lieber zweimal in ihrer kinderärztlichen Praxis nachfragen, was Meningokokken sind und wie sie ihre Kinder bestmöglich davor schützen können.

 

Eltern sollten ihre Kinderärztin bzw. ihren Kinderarzt jetzt auf die Meningokokken-Impfungen ansprechen. Weitere Informationen unter: www.meningitis-bewegt.de.