Chemsex – Rausch mit Risiko

  • Chemsex ist in vielen Ländern, auch in Deutschland, auf dem Vormarsch
  • Folgen des Gebrauchs von Chems sind u. a. risikoreicheres Verhalten, Abhängigkeit aber auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die zu Wirkverlusten und unvorhergesehenen Wechsel- und Nebenwirkungen führen können
  • Die persönliche „Schadensvermeidung“ ist häufig ein realistischeres und daher sinnvolleres Ziel, als die strikte Abstinenz 
  • Es gibt in Deutschland immer mehr Möglichkeiten, sich außerhalb von Drogenberatungsstellen über Chemsex zu informieren

Chemsex unter Einfluss von chemischen Substanzen (Chems) ist mittlerweile in vielen Ländern auf dem Vormarsch, auch bei uns.1 Die bewusstseinsverändernden Drogen, die oft auf privaten Sex-Partys oder in Darkrooms konsumiert werden, steigern die Lust und Euphorie und damit auch die Bereitschaft für ungeschützten Sex, für Sex mit mehr Personen als sonst und/oder härtere Sexpraktiken, die man ohne Drogen vielleicht nicht machen würde. Doch Chemsex birgt auch gewisse Risiken, über die man informiert sein sollte, um sie verringern zu können.

Achtung! Wechselwirkungen mit Medikamenten

Häufig eingesetzte Chems sind Metamphetamin (Chrystal Meth), Mephedron und GHB/GBL (Liquid Ecstasy).2 Die Chems werden geraucht, gesnieft, als Tablette oder in Getränken eingenommen oder auch intravenös angewendet (Slamming). Sie heben die Stimmung, steigern die Lust auf Sex und das Selbstbewusstsein, haben aber auch negative Effekte, wenn sie häufig eingenommen werden oder die Dosierung zu hoch ist.3-6 Dazu gehören neben einer psychischen Abhängigkeit beispielsweise Depressionen, Wahrnehmungsstörungen, Angstzustände, Blutdruckabfall, epileptische Anfälle und Kreislaufversagen. Oft sind zudem der genaue Inhalt und die Konzentration der Substanzen nicht bekannt, so kann es leicht zu Überdosierungen und damit zu unvorhersehbaren Wirkungen und Nebenwirkungen kommen.
Ein weiteres Risiko sind Wechselwirkungen, weil die Chems im Körper mit vielen anderen Substanzen und/oder Medikamenten, darunter auch HIV-Medikamente interagieren. Vor allem Chems zusammen mit geboosterten antiretroviralen Kombinationstherapien bergen ein hohes Risiko sich gegenseitig beim Abbau im Körper zu beeinflussen.7-9 Die Folgen: Einerseits kann es zu mehr und stärkeren Nebenwirkungen der Medikamente oder zu deren Wirkverlust kommen, was vor allem bei HIV-Medikamenten vermieden werden sollte. Andererseits können nahezu unkalkulierbare Wirkungen der Drogen auftreten, weil sie im Körper nicht mehr abgebaut werden und sich anreichern. Werden zusätzlich potenzsteigernde Mittel eingenommen, erhöht sich die Gefahr von Nebenwirkungen um ein Weiteres.

Realistische Ziele im Umgang mit Chems

Viele Nutzer von Chems und Besucher von Chemsex-Partys kämen nie auf die Idee, eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen, da deren Hauptzielgruppe Konsumenten intravenöser Drogen mit einem Abhängigkeitsproblem seien, sagt der Psychotherapeut Dr. Robert Palmer, London/UK.
Manche betrieben Chemsex nur ab und zu, und suchten höchstens Tipps, wie Sie das gesundheitliche Risiko minimieren können. Andere hätten nur an den Wochenenden Spaß beim Chemsex, merkten dann aber irgendwann, dass der Drogengebrauch sie unter der Woche bei der Arbeit einschränke, sie plötzlich mit Depressionen zu kämpfen hätten oder auch seither keinen Spaß mehr an Sex ohne Drogen hätten. Die persönliche „Schadensvermeidung“ mit realistischen Zielen wie Kontrolle, Einschränkung oder Pausieren des Drogenkonsums muss für Palmer nun im Fokus stehen – eine strikte Abstinenz sei für viele dagegen kein realistisches Ziel.

Beispiele für Beratungsmöglichkeiten

Chemsex ist mittlerweile ein wichtiges Thema, so dass es auch in Deutschland immer mehr Möglichkeiten gibt, außerhalb von Drogenberatungsstellen über Chemsex zu sprechen oder sich zu informieren. Ein Arzt/eine Ärztin oder Apotheker des Vertrauens aber auch verschiedene Beratungsstellen können über gesundheitliche Risiken und Wechselwirkungen aufklären und wichtige Hinweise geben, wie sich denkbare Gefahren reduzieren lassen.
So gibt es z. B. mit dem „WIR – Walk in Ruhr“ erstmals in Deutschland ein Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin, in dem es umfassende medizinische, soziale, emotionale und psychische Angebote zu Sexueller Gesundheit von einem großen, interdisziplinären Team gibt.
Die Deutsche AIDS-Hilfe hat auf ihren Internetseiten www.iwwit.de und www.hiv-drogen.de hilfreiche allgemeine Gesundheitstipps und Tipps zu Safer Sex und Drogen, Safer Use von Drogen, Informationen zu den einzelnen Drogen und zu Wechselwirkungen zwischen Drogen und HIV-Medikamenten zusammengestellt. Um das Risiko beim Gebrauch von Chems zu verringern, sollte z. B. darauf geachtet werden, möglichst geringe Dosen einzunehmen, ausreichend Wasser zu trinken und auf den Partys genügend Kondome, Gleitgel und falls nötig auch eigene sterile Nadeln, Spritzen und Röhrchen dabei zu haben. Außerdem sollte immer eine Vertrauensperson informiert und in der Nähe sein, um im Notfall reagieren und helfen zu können.

Über ViiV Healthcare:

ViiV Healthcare hat sich als Pharmaunternehmen weltweit auf den Bereich HIV spezialisiert und wurde im November 2009 von GlaxoSmithKline (LSE: GSK) und Pfizer (NYSE: PFE) mit dem Ziel gegründet, die Behandlung und Therapie für HIV-Patienten zu verbessern. Shionogi (TYO: 4507) trat dem Unternehmen im Oktober 2012 bei. Das Ziel von ViiV ist es, sich intensiver im Bereich HIV/AIDS zu engagieren, als es ein anderes Unternehmen je getan hat, und neue Ansätze zu finden, um hochwirksame und innovative HIV-Therapien zu entwickeln sowie betroffene Communities zu unterstützen. Weitere Informationen zu Firma, Management, Portfolio, Pipeline und Engagement erhalten Sie unter www.viivhealthcare.de.

Referenzen:

1 ECDC. Technical Report EMIS 2010: The European Men-Who-Have-Sex-With-Men Internet Survey,2010
2 Daskalopoulou M, et al. Lancet HIV 2014;1:e22–31
3 Bracchi M et al. AIDS 2015;29(13):1585-1592
4 Cruickshank CC, Dyer KR. Addiction 2009; 104(7):1085-1099
5 Wood D & Dargan P. Prog Neuro-Psychpharmacol Biol Psy 2012;39:227-233
6 Busardò FP, Jones AW. Curr Neuropharmacol 2015; 13(1):47-70
7 www.hiv-druginteractions.org/checker
8 Aarnoutse RE et al. Clin Pharmacol Ther 2005;78:664-674
9 Wienkers LC et al. Nat Rev Drug Discov 2005;4:825-833

Ansprechpartner für Journalisten

Ariane Breisach
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
im Auftrag von ViiV Healthcare GmbH

Telefon: 089/360 44-8289
E-Mail: ariane.x.breisach@gsk.com