Therapie des Lungenhochdruck – Fortschritte und Limitationen

Welt-PH-Tag am 5. Mai will auf seltene Lungenerkrankung „pulmonale Hypertonie“ aufmerksam machen: Motto „Atemlos, aber nicht tatenlos“

Die 63-jährige Frau kam kaum noch in den ersten Stock ihrer Wohnung. Den Kontakt zu ihren Freunden mied sie, weil sie sich schämte, so immobil zu sein. Ihr Arzt riet ihr zur Gewichtabnahme und zu mehr körperlicher Betätigung. Genau das funktionierte aber nicht. Im Gegenteil: die Atemnot nahm zu, sie war kraftlos, bekam schnell blaue Lippen und war stets müde. Der Hausarzt überwies sie zum Internisten. Dieser entdeckte im Rahmen einer Echokardiographie ihr vergrößertes Herz und sie traf bald darauf in der nahen Universitätsklinik auf ein spezialisiertes Ärzteteam, das ihrer eigentlichen Erkrankung rasch auf die Spur kam.

Behandlung möglich – aber mit Limitationen

Die pulmonal arterielle Hypertonie (PAH), auch Lungenhochdruck genannt, ist eine seltene und heimtückische Erkrankung der Blutgefäße in der Lunge. Neu erkranken in Deutschland nur etwa 300 Menschen jährlich, die Anzahl der bereits betroffenen Patienten liegt knapp unter 2.000. Der Lungenhochdruck belastet die Pumpleistung des Herzens, das sich in Folge vergrößert. Zeitig und präzise diagnostiziert, kann man aber medikamentös nutzbringend eingreifen. Es stehen sogar mehrere Medikamente aus drei Wirkstoffgruppen zur Verfügung – was bei einer so seltenen Erkrankung ungewöhnlich ist, denn hinter jedem Medikament steht ein extrem hoher Forschungsaufwand.

Innovativer Ansatz: Kombination von Anfang an

Zwei große Studien zur Kombinationstherapie bei PAH sind nun in der internationalen Fachliteratur publiziert worden. In der einen wurde eine bereits bestehende Therapie mit nur einem Medikament Monate später durch ein zweites Medikament ergänzt. In der zweiten Studie wählte man den innovativen Ansatz: Start mit zwei Medikamenten zur gleichen Zeit –„zweigleisig“ von Anfang an. Die Studie mit dem frühen Kombinationsansatz verlief positiv.

Die 63-jährige Patientin hat diese frühzeitige Kombinationstherapie tatsächlich auch erhalten. Der Beginn war mühselig, Kopfschmerzen, Ödeme in den Beinen. Sie hielt durch. Nach acht Wochen ging es ihr mit der Unterstützung des universitären PAH-Zentrums schon viel besser. Sie ist Mitglied der Lungensportgruppe ihrer Stadt. Zu ihren Freunden hat sie wieder Kontakt aufgenommen. Ihr Internist ist zufrieden: im Echo hat sie ein wieder verkleinertes Herz. Sie weiß: geheilt ist sie nicht. Aber die Erkrankung ist vorläufig aufgehalten.

Weitere Informationen zum Welt-PH-Tag: https://www.phev.de/presse/welt-ph-tag-2017.html